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Sabine

Samstag

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Samstag, 8.8.2015

Ich habe wunderbar unter der Zirbelkiefer geschlafen und mich anschließend noch eingekuschelt meinen Tagträumen überlassen, die mich nach Thailand führten. Irgendwie fühlte es sich heute morgen hier ähnlich für mich an. Nur die Gebetsklänge fehlten.
Ein Nachbar glaubte schon am frühen Morgen seine Gartenarbeit verrichten zu müssen, aber mich hat er dabei nicht gestört.
Ein Vorbote des Herbstes war auch schon dabei: Auf mich rieselten die Blätter einer Weide.

Morgens lutschte ich ein paar Plättchen Kassia.

Der See war warm genug für eine Umrundung. Nach einer Stunde war es vollbracht.

Ian McEwan's Buch "Zementgarten" faszinierte mich jetzt nicht so wie in den Rezensionen beschrieben, aber die Geschichte ist schon haarsträubend: Vier Kinder zementieren ihre Mutter nach deren Tod im Keller ein, um nicht von den Behörden als Vollwaisen in Pflegefamilien gesteckt zu werden. Es entwickelt sich eine sehr einfache, aber auch eigentümliche Art und Weise des Zusammenlebens, bei der jedes Kind seine Trauer lebt und zugleich verdrängt.

Das Mittagessen begann halb zwei. Vorher hatte ein Nachbar einen Weltrekord im Bohren aufstellen wollen und mein Appetit hielt sich auch in Grenzen. Dann aber aß ich mit viel Genuss eine kleine Fenchelknolle vom Bio-Acker der Tochter.

Das ist ein sehr geschäftsträchtiges Modell: Für eine astronomische Summe wird im Berliner Umland jeweils ein 20x2 m Schlauch auf Ackerland verpachtet. Darauf wird diverses Gemüse vom Betreiber und ausschließlich in Bio-Qualität angebaut. Der Pächter muss nur gießen und ernten. Am meisten habe ich aber gelacht, als ich von der App "Ich bin dein Gemüse" las, die dem unkundigen Menschen erklärt, was er da isst. Hihi, klingt fast unglaublich, ist aber wahr.
Die Enkel sollen auf diese Weise lernen, was wie wächst und vor allem, wie lange es braucht, um gegessen werden zu können; als Gegensatz zur ständigen Verfügbarkeit im Supermarkt.

Der Fenchel war sehr aromatisch und vor allem mit ganz viel Kraut. Auch hatte ich noch nie einen mit Wurzel.
Mich hat auch gefreut, dass sich die Enkel vor ein paar Tagen sofort ungehemmt über dieses Kraut hergemacht haben. Es sind zwar leider keine Rohkostkinder, aber sie werden durch mich vermutlich nicht ganz unwesentlich mitgeprägt.
Ich bin gespannt, ob und wann sie mal Interesse an meinem rohen Fleisch zeigen werden, wenn es mal wieder wie Schinken aussieht. Sie schleichen dann nämlich immer um mich herum und quengeln nach dem Grill, aber ohne anerzogene Dogmen hätten sie längst zugelangt. Da bin ich mir ziemlich sicher. Und wenn sie alt genug sind, dass Mama und Papa nicht mehr das alleinige Sagen haben, würde ich sie auch vorsichtig probieren lassen.

Anschließend gab es noch einen alten Kohlrabi aus dem Bioladen. Er war etwas mürbe, aber insgesamt ganz gut.
Nach knapp einer halben Stunde war ich zufrieden mit dem Essen fertig.

Nachmittags habe ich weiter in meinem neuen Buch gelesen: "Schloss aus Glas" von Jeannette Walls. Es hat mich von der ersten Zeile an berührt. Eine amerikanische Journalisten beschreibt darin ihre überaus chaotisch verlaufende Kindheit.
Das Buch beginnt, wie sie auf der Fahrt zu einer Party ihre Mutter auf einer Müllhalde nach Essen wühlen sieht. Sie schämt sich für ihren Reichtum und zugleich für ihre Eltern. Beide fühlen sich aber in diesem selbstgewählten Leben wohl und haben ihre Hilfsangebote in der Vergangenheit kaum genutzt.
Die Autorin beschreibt ihre Kindheit anfangs wie ein einziges Abenteuer, bevor ihr auch der Egoismus ihrer Eltern und ihre eigene Rolle bewusst wird.
Seitenweise habe ich ungläubig staunend die Geschichte verfolgt, was diesem kleinen Mädchen schon in jungen Jahren widerfahren ist, bzw. was man ihr angetan und zugemutet hat. Da sträuben sich jedem halbwegs zivilisierten Menschen mehr als nur die Nackenhaare.
Sie wurde zwar von ihren Eltern nicht nur in Deutsch und Mathematik, sondern auch in praktischer Lebenskunde unterrichtet, zum Beispiel welche Pflanzen man in der Wüste essen kann und wie man dort Wasser findet. Jedoch bereits als 4-jährige auf 30 m Entfernung 5 von 6 Bierflaschen mit der Pistole des Vaters zu treffen, ist wohl eher nicht die geeignete und altersgemäße Vorbereitung für spätere Jagderfolge. Und wer seine Tochter als 3-jährige am Gasherd bereits Hot Dogs kochen lässt, so dass sie sich lebensgefährliche Verbrennungen zuzieht, sie nach notwendigen Hauttransplantationen vorzeitig aus dem Krankenhaus entführt, um sie im heimischen Wohnwagen erneut an den Herd stellen zu lassen, hat eindeutig seine Funktion als behütende Instanz verloren. Oft genug hatten sie Ärger mit Behörden und Geldeintreibern, weshalb oft die Nacht für eine unbemerkte Flucht genutzt wurde.
All das und einiges mehr allein bis Seite 35!!
Da nützt es auch nur wenig, dass es wochenlang morgens, mittags und abends Trauben gab, weil die aufgrund eines Streiks der Pflücker fast umsonst zu haben waren, zumal der Vater ein arbeitsscheuer Hochstapler und Großmaul war.

Anschließend bin ich so lange geschwommen, bis mir etwas kühl und ich zudem hungrig wurde. Das war nach etwa 75 Minuten der Fall. Ich lag so richtig gut im Wasser, wie auf einem Federbett. Das ist nicht immer so. Manchmal fühle ich mich auch wie ein Fisch, total eins mit der Materie.

Danach lief die Verdauung auf Hochtouren.

Das Abendessen begann viertel sechs und bestand aus der gestern angeknabberten Lammschulter. Knochen waren heute nicht wichtig, dafür das kleine Stück Knochenmark sehr lecker. Ein paar Innereien wären gut gewesen. So habe ich eine leichte Bauchsperre aufgrund des noch deutlich vorhandenen Hungers übergangen und bis zur Geschmackssperre gegessen. Bei Burger habe ich mal gelesen, dass er Probleme bekomme, wenn er Lamm bis zur Geschmackssperre esse. Wichtig sei, sofort nach der himmlischen Phase die Mahlzeit zu beenden. Das muss ich mir wieder vergegenwärtigen. Ich esse oft bis zur reinen Geschmackssperre, weil ich Fleisch auch nicht mit Gemüse oder anderen Proteinen kombinieren will. Was also tun bei Unzufriedenheit? Auf Kräuter habe ich dann eigentlich nie Lust. Aber ein Tier in der Natur hat auch keine andere Möglichkeit.

Getrunken habe ich heute ca. 0,6 l Fachinger.

Mir geht es verdammt gut, dass ich hier so faul mein Dasein genießen kann. Der Schwiegersohn hat gestern noch mit einem Anhänger unsere beiden Kajaks abgeholt und heute mit an die Ostsee genommen. Nun haben wir auf dem Dach Platz für die Fahrräder. Und mein fleißiger Mann hat heute den Hund in die Pension gebracht, das Urlaubsauto gewaschen, betankt, die Fahrräder auf Vordermann gebracht, auf dem Dach montiert und was weiß ich noch alles. Tausend mal danke.

Ich war aber auch nicht nur faul, sondern bin nach dem Essen zu den gelben Mirabellenbäumen gegangen. Vor zwei Tagen, als Töchterchen gucken war, waren sie noch nicht richtig reif und unsere Hoffnung, dass ihnen zwei Tage super Hitze den erforderlichen Rest zur Reife geben, hat sich voll erfüllt. Somit konnte ich mühelos einen kleinen Eimer für die Enkel und einen Pappkarton von Tropenkost, wo immer 1 kg Früchte verpackt werden, für mich füllen. Nur meine Hoffnung, nach dem Urlaub hier noch die letzten Mirabellen ernten zu können, kann ich wohl begraben. In spätestens einer Woche werden alle unten liegen. Vielleicht sind bis dahin aber auch die kleinen Birnen und verwilderten Pflaumen reif.
Wie so oft, habe ich auch heute Neugierige angezogen. Aber nach einer kleinen Kostprobe zogen sie weiter.

Mich zog es anschließend noch einmal in den See. Mir war zu warm zum Schlafen. Ich bin 15 Minuten getaucht, gekrault und mit ganz viel Kraft geschwommen. Und ich hatte abends halb neun den ganzen See für mich alleine, hihi.

Danach habe ich noch ein paar eiskalte Schlucke Wasser aus dem Wasserhahn getrunken, vor dem schlafen dann noch ca. 250 ml Fachinger.
Der Durst und die Wärme nach dem Essen deuten auf eine Uberlastung hin. Wird Zeit für einen Wechsel der Tierart oder eine Fleischpause.
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