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Sabine

Wild(e)zeit

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Freitag, 24.7.2015

Gestern Abend wollte ich noch meine tagsüber aufgenommenen Kalorien wissen. Der Kohlrabi schlug mit nur 240 kcal zu Buche. Lammfleisch hat je nach Körperteil sehr differenzierte Werte, aber wurde mit durchschnittlich 180 kcal/100g angegeben, wobei die Moorschnucke eher magerer und somit kalorienärmer ist. Aber pie mal Daumen waren es insgesamt wohl fast 2000 kcal. Nicht schlecht.

Dann las ich in der aktuellen Ausgabe vom "Guter Rat" einen Artikel über das Älter werden und was man dagegen tun könne. Neben einer moderaten Nahrungszufuhr und den üblichen Hinweisen wie ausreichend Schlaf, Bewegung, geistigen Anregungen etc. wurde dort über einen mit zunehmendem Alter ansteigenden Bedarf an Kalzium, Vitamin C, B12 und D sowie Protein berichtet. Während man jungen Menschen 0,8 g/kg Körpergewicht als tägliche Aufnahme empfehle, seien es im Alter zum Erhalt der Muskulatur 1,2 g/kg Körpergewicht und zum Muskelaufbau 1,5 g/kg Körpergewicht.
Das bedeutet für mich mit knapp 50 kg also ca. 75 g Protein am Tag. Fleisch hat im Durchschnitt 20 g Eiweiß, Gehirn sehr viel weniger, Zunge und Bries deutlich mehr, so dass aber mit einer Menge von etwa 400 g der Proteinbedarf gedeckt ist. Das ist auch die Menge, die mir am liebsten ist.

Somit ist also anzunehmen, dass ich auch weiterhin gerne Fleisch und diverse andere tierische Produkte essen werde. Das freut mich, denn damit geht es mir gut und ich fühle mich hinterher nicht überdreht, was bei Süßkram schnell mal passiert.

Außerdem stand in dieser Zeitschrift, dass aufgrund diverser Bauernregeln mit einem sehr sonnigen und warmen Herbst bis in den November zu rechnen sei. Das wäre natürlich super und würde so manches Essen von Wildfrüchten im Freien ermöglichen.

Das Mittagessen fand heute nach halb eins zu Hause statt. Wie auch schon am Morgen dufteten die Avocado Hass aus dem Bioladen am besten. Vier Stück waren vorhanden, nach 3,5 war es genug. Die Menge betrug 411 g. Produkte aus dem Bioladen esse ich nie mit Schale.

Während des Essens war ich mit tiefer Dankbarkeit Herrn Burger gegenüber erfüllt. Irgendwann will ich ihm das auch mal sagen. Wenn er nicht auf den Dreh mit dem Instinkt gekommen wäre, würde ich mich wohl heute noch durch alle möglichen Rezepte der angeblich gesunden Ernährung quälen. Gerade diese Form der Ernährung ohne Dogmen ist für mich immer wieder faszinierend. Wer sagt, dass man mittags Obst oder Gemüse essen soll? Genauso kann ein ganz anderer Bedarf da sein, so wie heute eben jener nach pflanzlichem Fett.
Dieses ganze Gemecker über fehlende Inhalte oder Fehler seiner Theorie kann ich nicht nachvollziehen. Niemand von uns hat diesen grundlegenden Gedanken gehabt und jeder kann auf den bereits gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen aufbauen. Da ist es doch nur folgerichtig, dass sich Änderungen und Erweiterungen ergeben.
Für mich ist auch nicht alles goldrichtig, zum Beispiel die Möglichkeit des Essens von Obst nach Proteinen und Gemüse. Es wirkt auf mich wie ein Relikt aus der Kochkost mit dem süßen Nachtisch. Auch finde ich bei ihm die Trockenfrüchte und Honige zu stark betont. Aber es ist ja niemand vom eigenen Überprüfen und Bessermachen befreit. Wir sind ja leider oder zum Glück eine relativ neue Spezies und vor uns liegt das riesige Potential der natürlichen Auswahl.

Anschließend habe ich rote und weiße Johannisbeeren gepflückt und meine sieben Sachen für einen Ausflug zu unserem Bungalow am See gepackt. Für morgen haben sich die Enkel angekündigt, aber den heutigen Tag und nächsten Morgen habe ich ungestört zu meiner Verfügung. Außerdem stand mir mal wieder der Sinn nach einer ungestörten Nachtruhe, denn mein Mann plante für Samstag in aller Frühe die Abfahrt zur Baustelle seines Elternhauses.

Mit auf meine kleine Reise gingen als bestriechendste Produkte Rippen vom Frischling, ein Kohlrabi und eine Papaya. Der Verstand wählte zusätzlich ein paar sehr reife Bananen Kollikutu, eine Kokosnusspagode und eine alte Pomelo aus. Am Bungalow war ein Strauch mit reifen Stachelbeeren und im Keller ein Glas mit reifen Oliven. Damit sollten alle Eventualitäten bis morgen Abend abgedeckt sein.

Mindestens genauso wichtig ist mir aber in solchen Fällen eine gute Auswahl an Literatur. Ich habe mir den zweiten Teil des Krimis aus dem Allgäu und von Ian McEwan das Buch "Solar" mitgenommen. Zudem stehen im Bungalow sämtliche von mir derzeit nicht benötigten Bücher, so dass alle Besucher jederzeit aus diversen Themen wählen können. Gerade hier, wo man Entspannung sucht und viel Zeit hat, finde ich das sinnvoll und schön.

Nachmittags bin ich über den See geschwommen. Er war wieder angenehm temperiert.

So langsam kamen mir Zweifel bezüglich der Qualität der Avocados. Erstens ist mir ein ärgerliches Missgeschick passiert und zweitens hatte ich im Verlauf des Nachmittags einen Energieabfall, den ich mir nicht mit genereller Urlaubsreife schön reden wollte.

Das Abendessen fand ab viertel fünf statt und bestand aus Rippen vom Frischling. Das angetrocknete Fleisch war ebenso himmlisch wie das Flomenfett. Nach 179 g konnte ich ohne Bedauern und völlig zufrieden die Mahlzeit beenden. Gerade hatten die Fettschichten noch so verführerisch cross ausgesehen und urplötzlich entstand erheblicher Widerwillen, so dass ich den Mundinhalt ausgespuckt habe.

Es war wohl ganz gut, dass ich heute Lamm bestellt habe. Ohne Tier geht gerade gar nichts. Eigentlich hatte ich den Plan, im Urlaub bei Gut Darß mein Fleisch zu kaufen, habe es mir nun aber doch anders überlegt. Wildschwein wird ebenso wie Weiderind sehr teuer und vornehmlich in Filetform vermarktet. Zudem finden mehrmals wöchentlich Grillabende mit Wildschwein am Spieß statt, so dass es in den Vorjahren nie möglich war, Rippen oder Nacken zu bekommen. Beim Lamm haben sie eine Bio-Zertifizierung, was den Preis in die Höhe getrieben hat und außerdem stimmt für mich aufgrund der selbst im Sommer gesehenen Zufütterung die Qualität nicht. Also werde ich mit Frischling, Lamm und Weiderind anreisen. Eine gute Fleischauswahl kompensiert auch eventuelle Engpässe beim Obst, wobei ich schon gut für mich sorgen werde.

Am Abend ging mein Kreislauf total in den Keller, so dass ich froh war, nichts weiter tun zu wollen und zu müssen, als auf der Schaukel liegend Kommissar Kluftinger bei seinem zweiten Fall zu begleiten.

Samstag, 25.7.2015

Die Avocados waren Schrott. Nicht nur, dass ich mir gestern Nachmittag ein paar ordentliche Schrammen ins Auto gefahren habe, was mir in 25 Jahren noch nicht passiert ist und was ich erst einfach nur meiner eigenen Dämlichkeit zugeschrieben habe, nachts habe ich unruhig geschlafen und heute sehe ich voll besch*ssen um die Augen aus. Ob das Fleisch eventuell auch seinen Anteil daran hat, werde ich noch einmal testen. Zum Glück kommt ja nächste Woche vertrauenswürdiges Lamm.

Für mich gab es daher erst einmal ein paar Plättchen Kassia.

Wenigstens haben mich die Mücken heute Nacht in Ruhe gelassen und der feierfreudige Besuch in Buddelflinks Bungalow hat sich auch erfreulich zeitig zurückgezogen. An den folgenden Tagen und vor allem Abenden wird es dort nun erfahrungsgemäß hoch hergehen, so dass meine heutige Abreise nicht von Nachteil ist.

Als ausgleichende Geräuschkulisse reisen heute die Enkel an. Maria ist kürzlich vier Jahre alt geworden. Diesmal hatten die väterlichen Großeltern das Vergnügen des Kindergeburtstages, da wir letztes Wochenende bei der Familienfeier waren. Aber die Geschenke warteten natürlich auf sie. Somit stand für uns alle trotz des regnerischen Wetters ein kurzweiliger Tag in Aussicht.

Vorher aber noch habe ich nach langer Pause mal wieder meine Yogaübungen absolviert. Ich hatte sie ein bisschen über, aber heute haben sie mir Spaß gemacht.

Währenddessen habe ich mir überlegt, warum ich immer wieder meine Intuition mit dem Verstand boykottiere. Gestern früh hatte ich zum Beispiel die Eingebung, die reifen Safus ins Warme zu stellen. Der Verstand aber quakte dazwischen, so ein Blödsinn, bei der Wärme isst du mittags niemals Safus. Vielleicht wären sie aber die bessere Wahl als die Avocados gewesen. Gleiches Spiel gestern bei der hiesigen Parkplatzsuche. Der Verstand meinte wieder alles besser zu wissen, mit dem Ergebnis, dass ich einen von Buddelflink im tiefen Gras versteckten Metallwinkel übersah und mir dabei die Schrammen ins Auto fuhr. Auf dem von der Intuition zugewiesenen Platz wäre gar nichts passiert. Da gibt es also noch deutlichen Verbesserungsbedarf.

Anschließend bin ich über den See geschwommen und getaucht. Danach sah ich wieder wie ein Mensch aus. Zum Glück waren die gestrigen Mengen sehr moderat und die Auswirkungen somit begrenzt.

Nun besserte sich auch das Wetter deutlich, so dass ich zu meiner Stundenrunde um das Dorf aufgebrochen bin. Dieses und jenes Kräutlein habe ich probiert, aber nichts umwerfendes gefunden. Dafür lagen die ersten Äpfel und Pflaumen auf der Erde, allesamt noch unreif, aber durchaus gut riechend. Das ist aus finanziellen und ökologischen Gründen eine schöne Aussicht.

Das Mittagessen begann ab dreiviertel zwölf wieder in vollem Sonnenschein und bestand aus 987 g Papaya Sunrise von der Fruchtlawine. War sehr lecker. Auf den letzten Bissen begann die Nase zu tropfen und ein paar der äußerst üppig vorhandenen Kerne fielen herunter. Den Rest habe ich komplett gegessen.

Dass ich diese Mahlzeit noch ungestört einnehmen konnte, war auch nicht zu verachten. Und so habe ich die Ruhe vor dem Sturm genossen.

Wir hatten dann einen richtig schönen gemeinsamen Nachmittag, waren baden, die Kinder haben mit ihren Geschenken gespielt, wir haben erzählt, ich hatte Marlene im Sling-Tragetuch, welches den Vorteil hat, dass man sie schnell heraus bekommt, falls sie pullern oder mehr muss, habe es trotzdem nicht geschafft, hihi, was aber alles kein Drama war. Da war so viel Nähe, mental und körperlich. Das haben wir alle genossen.

Um 17 Uhr habe ich mich verabschiedet. Keines der verfügbaren Produkte war für mich auch nur annähernd interessant. Zudem wollte die Familie grillen und bei aller Liebe, das muss ich mir nicht reinziehen, wenn es auch anders geht. Außerdem liebe ich ungestörte Abendessen im Sonnenschein. Und den habe ich um diese Uhrzeit nur zu Hause.

Der Hund hat sich auch sehr über meine Rückkehr gefreut und wurde als erstes versorgt.

Bei mir gab es ab viertel sieben einen kleinen Rehkopf. Der wäre nun wirklich nicht familienkompartibel gewesen. Es gab alles, also Zunge, Augen, dass wenige Fleisch und das wieder mal äußerst leckere Gehirn. Von genau einem kg brutto waren 309 g essbar.
Satt war ich davon nicht. Daher ging es mit dem Körper des vor knapp drei Monaten gekauften ganzen Rehs weiter. Dieser Körper bestand aus dem Rücken und den Rippen. Nachdem er im Kühlschrank komplett eingetrocknet war, lag er nun auf der Hängeampel und diente mir zur geruchlichen Orientierung. Er war schon mehrfach anziehend gewesen, dann aber knapp einem frischen tierischen Produkt unterlegen
Heute war er der Hit, knusprig und trotz der Trockenheit so gut zu kauen. Das Rippenfleisch war völlig durchgetrocknet, aber der Rücken hatte noch eine gummiartige Konsistenz. Wirklich genial. So ein konzentrierter Geschmack. Kurz vor halb neun war ich fertig, ich habe 171 g gegessen.

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