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Sabine

Rückblick und Ausblick

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Am Samstag wurde ich von einem Hahnenschrei geweckt. Wie schön, der scheint international überall gleich zu sein. Er erinnerte mich in wunderbarer Weise an mein Terrassenbett, weil ich auch dort häufig den morgendlichen Hahn gehört hatte.

Den Morgen beginne ich mit dem letzten Tagebuchbericht. Eigentlich hatte ich ihn noch von Präteritum ins Präsens umschreiben wollen, weil ich es irgendwie schöner für den Leser finde, aber dann stürzt mir der Rechner ab und nochmal neu zu beginnen habe ich keine Lust. Später sehe ich, dass meine Korrektur einiger Tippfehler auch nicht abgespeichert wurden, also seht es mir bitte nach, der gute Wille war da.

Als nächstes habe ich nämlich große Lust auf Bewegung, genauer gesagt Kraftübungen mit anschließender Dehnung.

Dann frage ich beim Wildhof nach den Jagderfolgen. Es gebe vier Rehköpfe für mich. Aber die Rippen könnte ich erst am Montag bekommen, weil die Tiere erst dann zerlegt werden. Vorher müsse noch der Tierarzt kommen. Eben, hatte mich sowieso schon gefragt, wie das bis heute klappen sollte. Die Verkäuferin bietet mir an, die Köpfe für mich bis Montag im Kühlschrank mit aufzubewahren, so dass ich nicht doppelt fahren muss. Sehr schön, so machen wir das.

Anschließend bittet mich mein Mann um eine Besorgung aus der Apotheke. Ich wüsste zwar Besseres, das Schlafzimmer ist gut gefüllt mit herrlichem Obst und Gemüse, aber gut. Ich nutze die Radrunde gleich zu einem Abstecher zu einer größeren Hagebuttensorte, die vor unserem Urlaub noch steinhart waren. Nun sind sie sehr schön reif, aber das haben die Piepmätze auch schon bemerkt und sie arg dezimiert. Mein heutiger Bedarf sind sie ohnehin nicht, also radel ich nach Hause.

Auch hier ist bei den Vögeln Mittagspause am Futterhaus und während meines Essens sehe ich ihnen zu.

Es gibt zuerst eine kleine Menge Pollen, ca. 1 EL, dann werden sie krümlig im Mund und ich spucke sie aus. Danach folgt 3/4 eines Kohlrabis mit ein paar dunkelgrünen Blättern. Kohlrabi ist definitiv mein Lieblingsgemüse. Ein langjähriger Rohkostfreund sagte oft genug bezüglich meiner Kohlrabivorliebe: "Vergiss dieses ganze Viehfutter und orientiere dich an den Produkten, an die wir angepasst sind" und vielleicht ist das Original ja folgendes:

Anschließend gibt es ca. 500g Palmenherz. Es stammt von einem Einkauf vom 24.12. und ist immer noch in Ordnung, nur eben etwas eingetrocknet. Schade, schade, dass es das hier nirgendwo gibt.

Mit etwas zeitlichem Abstand gibt es 230 g Physalis von Orkos. Sie sind wunderbar reif und einfach toll. Danach folgen 3 rote Weihnachtsäpfel und eine kleine, traumhaft leckere Mango Edward.

Am Nachmittag kommt überraschend unsere Tochter. Eigentlich hatten wir sie mitsamt den Kindern ausgeladen, damit sich niemand bei meinem Mann ansteckt, aber sie war in der Nähe und neugierig genug, um ein paar Urlaubseindrücke geschildert zu bekommen.

In dieser entspannten Schnatterrunde habe ich mir ein 250g Honigglas von Feldt geholt und komplett geleert. Sperre? Nix bemerkt. Gleiches bei den anschließenden Sukkari soft. Die noch vorhandenen 504g gingen einfach so weg. Die Ausrede, durch das Erzählen nicht konzentriert gewesen zu sein, gilt nicht. Richtig gute Produkte sperren immer und selbst unter der Dusche.

Für mich stand anschließend fest: Ende, Schluss und aus mit dem Süßkram, habe die anderen Datteln der Natur überlassen.
Es ist derzeit hier ohnehin nichts von dem, was ich heute aß, in freier Natur verfügbar. Was täten wir also ohne Orkos & Co, ohne Bioladen etc.? Auf die Jagd gehen!?!
Was essen die Völker, die beständig in eher kühleren Regionen leben? Fleisch und Fisch.

Das wilde Tierische passt momentan einfach besser für mich, weil:
- ich danach nicht ständig noch was und noch was und noch was essen möchte,
- ich keine Gier auf noch mehr Süßes und Fressarien entwickel,
- ich mich körperlich fitter und v.a. kräftiger fühle,
- ich mit kleineren Mengen zufrieden bin,
- die Haut sich seit meiner Rückkehr insgesamt etwas trocken anfühlt und da sind innere Fette günstig.

Anschließend kam der Hund zu seinem Recht und einer Spazierrunde. Danach habe ich bis in die Dunkelheit im Garten gewirkt und Ordnung geschaffen, in mühsamer Kleinarbeit Blätter aus Sträuchern geholt, weiße Kieselbeete von matschigem Laub befreit. Lauter Arbeit, zu der mir sonst die Lust und Energie fehlte. Zu irgendwas muss die Überlastung ja gut sein.

Der Abend klang besonders schön aus. Mein Mann und ich guckten uns auf YouTube diverse Videos über unseren Urlaubsort an. Ach, war das schön. Fast, als wäre man dort.

Anschließend lasen wir uns Berichte zum Arbeiten und Leben in Thailand vor. Meinen Mann hat nicht nur der Erkältungsvirus befallen, sondern auch das Thailandfieber.

Aber wir sind Realist genug, um unser Arbeitsleben in Deutschland zu beenden. In den nächsten Jahren wollen wir das Land bereisen und nach schönen Gegenden zum späteren Überwintern Ausschau halten. Es muss nicht das teure Phuket sein.

Grundsätzlich kann man für 200€ Monatsmiete schon sehr komfortabel wohnen, für 300€ lebt man in einem kleinen Palast.

Die Visabestimmungen sind auf den Philippinen noch sehr viel einfacher, klimatisch ist es wohl ähnlich, politisch wird man sehen, was passiert.

Irgendeine Aufgabe hätten wir dort auch gerne, sonst verdummt man und isoliert sich. Insofern schreckt mich auch das Immigrationsvisum nicht, bei dem 2x2h Sprachunterricht in der Woche Pflicht sind. Ist doch super.

Englischlehrer werden massiv gesucht, es genügt dafür ein Zertifikat einer thailändischen Sprachschule, Bezahlung soll zwar nicht gut sein, aber das könnte ich mir noch gut als Aufgabe im jungen Rentenalter vorstellen.

Ganz und gar dort bleiben ist auch nicht ausgeschlossen, andererseits haben wir auch gerne unsere Kinder und Enkel bei uns. Achja, und so spinnen wir den ganzen Abend gemeinsam unsere Gedankenfäden...

Das Schönste am Ganzen ist aber der Umstand, dass wir nicht nur einen traumhaften Urlaub mit zweiten Flitterwochen hatten, sondern generell wieder zueinander gefunden haben. Nach dem Auszug der Kinder werden wohl in fast allen Beziehungen die Karten neu gemischt: hop oder top, bleiben oder gehen? Gibt es eine gemeinsame Basis und somit auch Zukunft oder nicht. Zu Kompromissen grundlegender Art ist man(n) und frau dann oft weder willens noch bereit. Und nun haben wir so viele Pläne, die uns verbinden, nicht alleine auf die Tropen bezogen. Es stimmt insgesamt wieder und es gab Zeiten, da hätten wir das nicht mehr für möglich gehalten.

Warum schreibe ich das hier? Weil ich auch im beruflichen Kontext häufig mit der Aussage konfrontiert werde, dass die Gefühle und das Vertrauen ineinander weg seien und somit alles kaputt. Und ich kann nur jeden ermuntern, der es wirklich will: Gebt nicht auf und vor allem gebt euch mehr als nur eine Chance. Trennen kann man sich jederzeit, aber die lange Vertrautheit einer Beziehung, die vielen Erlebnisse miteinander sind es wert, nicht voreilig alles hinzuwerfen.

Gerade mit der Umstellung auf Rohkost wird auch die Partnerschaft auf eine harte Probe gestellt. Und wir denken vielleicht manchmal, dass wir mit roher Nahrung "bessere" Menschen sind. Wir werden im besten Fall gesünder, schöner, vitaler, geduldiger und toleranter. Aber wir behalten auch unsere Fehler, Macken und Schwächen, sind also nach wie vor ganz normale Menschen. Die Persönlichkeit wächst und reift mitunter schneller als unsere Umwelt (v)ertragen kann, aber bleibt in ihren Grundzügen dennoch erhalten. Das sind jedenfalls meine Beobachtungen.

Und somit sollte es auch möglich sein, den anderen in seiner Individualität zu belassen, ihn nicht umkrempeln, verbessern zu wollen. Wir sind erwachsen und so sollten wir uns auch verhalten, also einander so zu akzeptieren, wie man ist und in wesentlichen Bereichen, Hobbys und Interessen zu unterstützen. Dann erkennt man wieder Züge am Partner, in die man sich vor langer Zeit mal verliebt hat. So jedenfalls funktioniert das bei uns gerade. Und was morgen ist, weiß sowieso niemand.

Während ich mich im Bett liegend noch über all die schönen Möglichkeiten, die vor uns liegen, freuen möchte, bin ich schon eingeschlafen. Das ist so herrlich: ich bin in unserer Zeit angekommen und schlafe wieder 7-8h.

Auch am Sonntag weckt mich ein Hahnenschrei und mir fällt mein Traum ein: ich habe in der Sonne ein Baby gestillt und bin noch ganz angetan von der damit verbundenen Freude. Mein Mann wiederum hat sich einen dicken SUV gekauft, in der Farbe und dem Aussehen wie auf Phuket überall gesehen.

Ich höre einen Nachbarn Eis von der Autoscheibe kratzen und mir wird klar: Es hat gefroren. Das Thermometer zeigt -4 Grad Celsius an. Die Sonne kommt mehr und mehr heraus.

Ab 10 Uhr bin ich mit dem Hund unterwegs. Ich finde an einer geschützten Ecke saftige Vogelmiere, wunderbar. Gegen 11:30 Uhr zieht es mich zu den kleinen Hagebutten. Davon esse ich ca. 50-70 Stück. Genuss und akribisches Zählen schließen sich für mich aus.

So richtig zufrieden bin ich noch nicht, habe aber auch keine Lust, bei der herrlichen Sonne nach Hause zu gehen. Also gehe ich ein Stück weiter, wo ich erst kürzlich eine dritte Sorte von Hagebutten entdeckt hatte, die sehr fleischig ist. Sie sind perfekt reif und auch davon esse ich ca. 50-70 Stück.

Allein der Umstand, dass ich nach einer Sperre bei der wildesten Form diese hier weiter essen kann, spricht für eine Zuchtsorte. Zudem schmecken sie z. T. wie aufgetaute Erdbeeren, haben deutlich Frost abbekommen. Nun will ich mal wissen, was passiert: Nix. Die Sonne scheint weiter, uns begegnen total nette Menschen, die den Hund streicheln und mir geht es gut.
Was ist das schön: Mitten im Winter esse ich im Sonnenschein wilde Früchte vom Strauch. Damit sollte ich gut gegen die häusliche Bazillenflut geschützt sein.

Außerdem stelle ich abends erfreut fest, dass meine Zähne wie nach einer Zahnreinigung blitzen. Ähnlich verhält es sich übrigens nach dem Kauen von Knochen. Und die Fasern ganzer Jackfrüchte empfinde ich besonders für das Zahnfleisch als eine Wohltat.

Der Hund braucht nun langsam eine Pause. Morgens hatte er sich zwar mit getrocknetem Wildschwein gestärkt, aber trotz des gemächlichen Tempos ist es nun genug für ihn. Also bringe ich ihn nach Hause und führe meinen Mann aus. Die ersten Sträucher blühen.

Als wir zurück kommen, setzte ich mich zum Hund und massiere ihn. Er genießt es total. Anschließend bekommt er getrocknetes Reh und ich setze mich in die Sonne und lese Zeitung. Es sind fast 5h Frischluftkur gewesen, ehe ich es mir gegen 15 Uhr am Kamin gemütlich mache.

Wir gucken "Der Wolf of Wallstreet". Ich wollte den Film sehen, weil ich die Thematik nicht ausreichend spannend fand, um mir das Buch durchzulesen. Aber für diesen Nachmittag war es ganz lustig.

Um 18:15 Uhr gab es dann Wildschweinrücken mit dicker Speckschicht. Das war genau der Stoff, aus dem meine sabbernden Träume auf Phuket bestanden, hmmmmm. Dennoch habe ich nach den 650g und abruptem Geschmacksumschlag das Gefühl, die Sperre etwas überzogen zu haben. Möglicherweise liegt es daran, dass so ein Rücken sehr einfach und schnell zu essen ist, die kleinen Rippen schnell abgeknabbert waren.

Um 20 Uhr bin ich bettreif und stehe erst 12h später wieder auf. Der Schlaf war sehr erholsam, was v.a. daran liegt, dass ich nur 1x in der Zeit auf die Toilette musste. Das ist für mich eine super schöne Entwicklung, dass ich nur noch max. 2x pro Nacht aufstehen muss. Dadurch komme ich auch wieder richtig zur Ruhe. Ich denke, dass der Schlaf überaus wichtig für die gesamte Regeneration und Voraussetzung zur Gewichtszunahme ist. Bisher hat es damit noch nicht geklappt, aber nun bin ich optimistisch.

Am Montag habe ich Lust auf Bewegung und radel über mehrere Umwege ins Büro. Die längere Jobpause hat mir gut getan, ich bin jetzt wieder gerne dabei.

Mittags gibt es eine Hand voll Hagebutten, dann kommt die Bauchsperre. Was anderes habe ich nicht mit, also bleibt es dabei.

Nachmittags hole ich die Rehköpfe ab, es sind 6 Stück, einen sehr großen, drei kleine und zwei noch kleinere, dass es mir leid tut, dass sie schon sterben mussten. Dazu 1,8 kg Rehrippchen, ein paar Hundeknochen und 2kg Hundegulasch, also diverse Reste von Fleisch, Fett, Knorpeln, Sehnen. In der Vitrine sehe ich dann eine fantastische Auswahl an allen drei Wildsorten, alles heute frisch zerlegt. Ich nehme noch eine kleine Rippe vom Wildschwein mit.

Der Hund freut sich über einen großen Fleischknochen und ich inspiziere das Hundegulasch. Es ist perfekt, nicht nur für den Hund. Es ist auch einiges an fetten Segmenten dabei, aber ich finde das Fleisch und die Sehnen heute viel besser. Nach 780g sind fast alle Wünsche gestillt. Ich merke jetzt das Fehlen der Mittagsmahlzeit und gelüste nach etwas Weißkohl, aber das lasse ich der besseren Verdauung wegen mal schön bleiben.

Danach habe ich genug Elan, um mit Mann und Hund noch eine schöne Runde spazieren zu gehen, bevor ich mich am Kamin niederlasse und die letzten drei Tage im Handy-Tagebuch verewige.

Irgendwie durchlebe ich gerade eine super schöne Zeit. Alle Probleme lösen sich. Im Sommer zum Beispiel hat mir eine Kollegin mit ihrem Mobbing auf eine sehr unangenehme Art und Weise den Spiegel vorgehalten. Sicher, ich könnte sie abwerten und mir tausend Dinge zu ihrer desolaten Gesundheit und Persönlichkeit einfallen lassen. Aber für mich war es eine Schnittstelle, die mir in der größten Verletzung auch anzeigte: Bei mir stimmt was nicht.

Dazu kamen die unruhigen Nächte mit den häufigen Toilettengängen, trotz guter (?) und teurer Orkoskost. Und jetzt kommt alles ins Lot.

Mit der Kollegin kann ich wieder gut reden, sie fühlte sich durch meinen Spiegel mit der rohen Ernährung sehr in ihren gepflegten Krankheiten gestört, ich kann viel besser und länger schlafen und das mit einer sehr einfachen Kost.

Aber auch die tropische Sonne hat mir sehr, sehr gut getan. In vergangenen Jahren, wenn wir für 7-10 Tage auf den Kanaren, Zypern oder Ägypten waren, bin ich immer viel besser durch den Winter gekommen. Im Gegenzug gab es aber auch Jahre, da habe ich mich Fleisch essend dich die dunkle Jahreszeit gefuttert und nichts vermisst.

Am Dienstag wache ich nach gut 5h auf und fühle mich in einer Mischung aus Kraftsportlust und Ausruhbedarf. Hm, also erst mal langsam den Tag beginnen. Um 6 Uhr wird bei uns schon eifrig geschmatzt: Der Hund frisst Rehknochen und die Katze hat ihr Vergnügen mit meinen gestrigen Resten vom Hundegulasch.

Irgendwie hatte ich schon gestern das subtile Gefühl eines Bewegungsmangels, andererseits auch nicht wirklichen Elan für körperliche Anstrengungen. Hm, also erst mal langsam den Tag beginnen. Mein Immunsystem hat vermutlich auch gerade ordentlich mit den Bazillen meines Mannes zu kämpfen und insofern halte ich den Ball lieber flach.

Zudem glaube ich, ist so ein Rückflug aus den Tropen eine erhebliche Belastung für den Körper, u.a. auch, weil möglicherweise diverse (Tropen)krankheiten mit an Bord sind. Auch unter diesem Gesichtspunkt gönne ich mir momentan eher Zeit und Ruhe.

Aber dennoch gefällt mir die kurze Schlafdauer nicht. Sie erinnert mich an die kurzen Schlafzeiten vor meinem Urlaub, als ich auch viel Fleisch gegessen habe. Wenn das jetzt wieder so läuft, werde ich Veganer.

Als mögliche Ursachen fallen mir ein:

1. Ein ausgewogeneres Verhältnis von Kohlenhydraten zu Protein, andererseits schließen sich für mich süßes Obst und Tier an einem Tag aus.
2. Meine (Fleisch)Mengen empfinde ich oft als zu groß. Frau Schatalovas Empfehlung lautet, nicht mehr als 400 g pro Mahlzeit. Irgendwie fühlt sich das für mich richtig an. Andererseits hat Burger auch vernünftige Argumente für instinktive Mengen.
3. Fehlinterpretation von Körpersignalen.

Wie haltet ihr es mit der tropfenden Nase im Verlauf einer Mahlzeit? Oft genug ist es für mich die Sperre, aber auch oft genug wiederum auch nicht. Im Rohkostwiki wird es als Anzeichen einer Sofortentgiftung beschrieben. Welche Erfahrungen habt ihr?
Bei dem gestrigen Reh hat nach etwa der Hälfte die Nase getropft. Aber der Geschmack war noch sehr gut. Es gibt ja nicht nur den Geschmacksumschlag als mögliche Sperre...

Um 6 Uhr wird bei uns schon eifrig geschmatzt: Der Hund frisst Rehknochen und die Katze hat ihr Vergnügen mit meinen gestrigen Resten vom Hundegulasch.

Ich radel um 7 Uhr im Schneeregen los, der Bewegungsbedarf überwiegt.

Um 8 Uhr brauche ich aber eine Stärkung. Meistens ist das keine gute Idee, aber Kassia riecht nicht und ich habe Hunger. Vermutlich steckt das gestrige Reh dahinter. Es waren ja ganz verschiedene Fleischteile dabei, manche haben sehr salzig geschmeckt, andere wiederum tief ürsprünglich-würzig. Ist das nun instinktiv? Vielleicht, wenn das Raubtier schon da war und ich nur diverse Reste finde...
Überhaupt haben beide Sorten vom frisch er- und zerlegten Fleisch wunderbar gerochen, so blumig. Was habe ich nur jemals an diesem Gammelkram gefunden?

Es gibt 2 kleine TL Spirulinapulver. Sie schmecken wunderbar und beim nächsten Versuch verschlucke ich mich, also Ende. Durst verspüre ich keinen, also rühre ich mir nur eine dicke Creme an. Das erinnert mich an meinen Einstieg in eine andere Ernährung mit dem Programm von Halima Neumann.

Während eines kollegialen Gesprächs gibt es eine Fenchelknolle, nach 3/4 ist der Bedarf gedeckt (eindeutig durch Bauchsperre).

Mittags gibt es fast einen ganzen Kohlrabi mit grünen Blättern, dann riechen die Algen erneut sehr gut. Besser wären sicher frische oder getrocknete von Orkos, aber ich hatte vor meinem Urlaub den Bürovorrat weitgehend aufgeräumt. Anschließend gibt es zwei Teltower Rübchen mit grünen Blatttrieben und Möhren. Etwa 4 cm vor dem Ende der 4. mittelgroßen Möhre ist die Mahlzeit beendet. Mit stärkehaltigen Gemüsen kann ich nur sehr selten etwas anfangen.

Danach fühle ich mich erst sehr leicht und gut, später wird mir aber ziemlich schwindelig und ich merke, wie ungünstig solche nichtinstinktiven Produkte wie Spirulina sind. Der Rest wird jetzt entsorgt. So eine Notnahrung ist nicht mehr sinnvoll für mich. Sie stammt noch aus dem Haushalt meiner Mutter, manche Sachen sind echt langlebig...

Später fühle ich mich leicht fiebrig. Es ist schon paradox: Vor knapp 20 Jahren haben mir Spirulina in frisch gepresstem Gemüsesaft sehr geholfen, gesundheitlich auf die Beine zu kommen, jetzt geht damit gar nichts mehr.

Ich trinke 3/4 l Fachinger und glühe im Gesicht. Mir ist hundeelend, aber ich habe noch einen Termin und kann daher nicht eher gehen.

Ab 16 Uhr bin ich wieder gut drauf, pünktlich zum Termin, und radel eine Stunde später kraftvoll durch den Regen nach Hause. Das Wetter stört mich nicht wirklich, ich bin regenfest angezogen und genieße die Bewegung an der frischen Luft.

Schon am Morgen hatte die Jackfrucht gut gerochen, aber das ist keine Bürofrucht für mich und mittags auch oft zu mächtig. Aber nun freue ich mich auf das obstige Abendessen. Proteine scheiden nach Möhren zu Mittag nach überaus schlechten Erfahrungen damit aus. Nochmal Viehfutter ist eher unwahrscheinlich. Der süße Geruch von einem Bäcker ist sehr angenehm.

Die Jackfrucht ist der Traum schlechthin, zuckersüß, saftig und frisch. Ich schmecke bei jedem Bissen die Kraft der Tropensonne und bin im 7. Himmel. Nach 683g netto kommt eine unüberwindbare Bauchsperre. War das lecker!!!

Nachts schwitze ich die ganzen denaturierten Spirulina-Moleküle aus, schlafe dabei aber wohlige 9h.

Nach einer schönen warmen Dusche ist am Mittwoch alles wieder im Lot. Mein Gott, was war ich blöd. Andererseits erschafft man sich wohl alles zur richtigen Zeit. So hatte ich vor meinem Urlaub zuletzt spröde Lippen, die in Thailand umgehend verschwanden. Zuletzt kamen sie auch dort wieder, vermutlich von dem Ungleichgewicht. So richtig weg gingen sie hier nicht, weder mit Fleisch, noch mit Obst oder Gemüse. Heute Nacht nun ist ein Wunder geschehen und die Lippen sind ganz weich und fast komplett verheilt. Überhaupt fühle ich mich so richtig schön durchblutet und durchwärmt und komme mir wie nach einer inneren Reinigung vor.

Eine Auswahl für das Mittagessen 5h später zu treffen, ist immer wieder ein Glücksspiel. Cherimoyas und Orangen riechen am besten. Auch das Reh duftet nachdrücklich. Daher entscheide ich mich für die Orangen, zudem für die gut riechenden Kräuter.

Bei Temperaturen von knapp über null radel ich ins Büro.

Der Vormittag verläuft sehr angenehm. Ich arbeite gerade eine neue Kollegin ein und es macht mir Spaß, ihr Zusammenhänge zu erklären und am PC in das Programm einzuweisen. Ich habe viel Geduld und Ausdauer für all ihre Fragen.

Mittags gibt es kleine Mengen an Rukkola und Dill. Anschließend esse ich eine Bitterorange, die ihrem Namen alle Ehre macht. Mit etwas Pause folgen 3/4 einer Orange Navel (Bioladen), dann Bauchsperre und Weiteressen unmöglich.
Kombinationen zwischen verschiedenen Sorten einer Art empfinde ich nie als optimal, so auch heute. Die Auswirkungen sind trotz der kleinen Mengen beträchtlich: Ich bekomme kurzzeitig unangenehme Herzstiche, vermutlich durch überschießende Entgiftung ausgelöst. Ich bin so empfindlich geworden. Andere Rohis kombinieren verschiedene Äpfel, Pflaumen, Mangos, Trauben, das sollte ich tunlichst sein lassen bzw. maximal tun, wenn nach der ersten Sorte noch keine Sperre da und die Menge gering war.

Ich frage mich, ob überwiegend Obst nicht einfach das Beste für uns wäre. Es ist so leicht verdaulich, gibt Vitamine und Energie. Was gibt man den Kranken?

Andererseits ist das nicht wirklich mein Thema. Gerade im Winter fülle ich meinen Speicher mit allem vom Tier. Durch den längeren Tropenurlaub wurde dieser Vorgang unterbrochen. Ich habe darauf mit Mangelsymptomen reagiert, die sich ähnlich äußerten wie vor vielen Jahren, als ich noch kein Fleisch, sondern nur Leber, Fisch und Eier aß. Ich hatte Missempfindungen an den Füßen, die nach meiner großen Rehmahlzeit von vor einer Woche nahezu verschwunden sind. Vermutlich wird eine intensive Fleischphase folgen.

Nächstes mal gibt es in Thailand Thunfisch satt mit allen Innereien, dann klappt das besser. Ich bin froh, dass wir bei unserem letzten Marktbesuch früher als sonst da waren, sonst wäre ich wohl immer noch in der irrigen Annahme, dass das Wasser in den Behältern vom Auftauen stamme. Aber Eis hat bei tropischen Temperaturen eben nur eine kurze Lebenszeit.

Nachmittags halte ich an einem asiatischen Blumenladen. Eine alte Frau kommt und schwärmt mir von den Angeboten vor. Sie kaufe öfter mal etwas und hänge es den Nachbarn an die Tür. Ist das nicht schön? Ich bin dankbar für diese nette Begegnung.

Um 15:30 Uhr sitze ich mit einem fast 1kg leichten Rehkopf am Kamin. Besonders lecker finde ich die sehr eiweißreiche Zunge und das fette Gehirn. Inzwischen weiß ich, wo ich bei Fett- und Fleischanteilen fündig werde, aber das hielt sich insgesamt sehr in Grenzen. Am Ende sind 375g verzehrt.
Danach muss ich aufstoßen und die Blase meldet sich. Beides sind für mich eigentlich Sperren. Aber heute wollte keine Zufriedenheit eintreten, dazu war wohl das Mittagessen auch zu klein.
Also habe ich mich mit Hingabe den Rehrippchen gewidmet. Einen Rippenbogen hatte ich bestellt, heute habe ich gesehen, dass zwei Bögen übereinander lagen. War mir beim Auspacken gar nicht aufgefallen. Da hat es das Universum wieder gut mit mir gemeint, denn bis auf einen Stück Bauchlappen ging der ganze Bogen weg wie nichts. Die Waage zeigte 559g an.

Nachfolgend konnte ich keine Überlastung feststellen, der Puls war normal, ich wurde weder müde noch extrem munter.
Ein Husten mit etwas Schleim zeigt mir aber mal wieder an, was mein Körper von den in der Verdauung befindlichen Karotten hält, nämlich gar nichts. Es ist meine typische Reaktion auf zu viel Stärke.

Wir gucken den Film zum gleichnamigen Buch "Veronika beschließt zu sterben". Das Buch war wieder mal tiefgründiger, aber es gibt auch schlechtere Verfilmungen. Es ist ein Appell an das Leben, an dessen Schönheit und die Freude, die uns manchmal abhanden kommt.

Am Donnerstag wache ich zwar nach knapp 6h ziemlich munter und durchgeschwitzt auf, Spirulina lässt noch mal grüßen. Ich kann aber nach kurzer Zeit zum Glück fast drei weitere Stunden Schlaf dranhängen. Dennoch habe ich absolut keine Lust zum Aufstehen, es lebe die Gleitzeit.

Als der Hahn so nachdrücklich kräht, dass ich es nicht mehr ignorieren kann, folge ich seinem Ruf. Aber mein Kreislauf ist miserabel drauf. Damit wird doch eine gewisse Überlastung deutlich.

Am liebsten würde ich sofort was essen, aber in die Falle tappe ich heute nicht schon wieder. Und es riecht auch nichts wirklich verlockend. Es gibt daher einen Schluck Salzwasser und etwas Fachinger. Kassia ist uninteressant.

Für das Mittagessen nehme ich heute Kräuter und konzentrierte Kohlenhydrate mit. Das Reh riecht zwar intensiv, aber nicht anziehend, insofern kann heute mal ein tierfreier und somit kohlenhydratreicher Tag folgen.

Meine Radtour bewältige ich recht mühsam und nehme auch den kürzesten Weg, aber die Option, das Auto freizukratzen war noch weniger attraktiv. Und ein bisschen Bewegung und frische Luft sind immer gut.

Auch die 83 Stufen zu meinem Büro, die ich sonst gerne mehrmals am Tag hoch und runter gehe, werden immer mehr. Der Fahrstuhl ist aber was für Weicheier. Das Blut soll ruhig mal in Wallung kommen, bevor ich wieder stundenlang nur wenig Bewegung habe.

Der Kopf funktioniert sehr gut und das reicht zum Glück in meinem Job aus. Ich bin auch froh über diverse Aktivitäten, weil ich mich grundsätzlich gut erholt und wieder Freude an meinem Tun habe.

Ich trinke vormittags Wasser und hoffe, dass der Kreislauf endlich anspringt.

Das Mittagessen beginnt mit je einer kleinen Menge Petersilie und Frühlingszwiebel. Es folgen 2 kleine und sehr kernhaltige Cherimoyas von Orkos. Auf die Schale habe ich keine Lust, ich sauge das cremige Fruchtfleisch einfach aus und schabe danach mit den Zähnen die Schale von innen ab. Es schmeckt himmlisch und wie immer bei guten Mahlzeiten nehme ich mir vor, zukünftig viel häufiger davon zu essen.

Von einer dritten Frucht esse ich nur ein kleines Stück, hier auch gerne mit Schale. Dann kommt die Bauchsperre. Geschätzte Menge: 400 g. So richtig zufrieden bin ich noch nicht, will eigentlich bei einer Monomahlzeit bleiben und der Bauch hat nicht umsonst gesperrt. Als auch nach einer Pause immer noch der Essgedanke überwiegt, halte ich es mit Burger, dass bis zu drei Fruchtsorten ok sind. Also esse ich noch genau eine halbe Apfel-Feige-Banane. Und dann ist alles gut. So schön kann Instinkto sein, wenn man gute Produkte hat.

Auf diese Bananen freue ich mich schon seit ihrer Ankunft vor gut einer Woche, weil sie mir optisch aufgrund ihrer Frische, ihres Reifegrades und ihrer prallen Größe sofort zugesagt haben. Inzwischen haben sie sich nicht wesentlich verändert, nur die Schale ist am manchen Stellen etwas dunkler geworden und sie schmecken genial.

So richtig in Schwung kommt der Kreislauf auch am Nachmittag nicht. Vielleicht sollte ich das einfach akzeptieren. Und mir fehlt heute wieder die Sonne.

Abends gibt es saftiges Fleisch vom Wildschwein, das pure Fett ist heute überhaupt nicht interessant, wohl aber die fettdurchsetzten Stränge des Rückens. Das vor knapp zwei Wochen gekaufte Stück ist heute perfekt für mich, der Reifegrad ideal. Ich versuche mir viel Zeit beim Essen zu lassen und zerlege den Rücken in seine Einzelteile und genieße den dicken Strang Rückenmark. Es ist einfach nur lecker. Nach 90 Minuten sind insgesamt 947g gegessen.

Mein Kreislauf will auch danach nicht anspringen, also bin ich schon vor 19 Uhr im Bett. Ich genieße die frische Luft am offenen Fenster und beame mich zeitgleich auf mein Terrassenbett in Thailand. Ich habe solche Sehnsucht nach der Sonne. Diese momentane Dunkelheit empfinde ich fast schmerzhaft.

Gleichzeitig freue ich mich aber auch über meine Erkenntnis, die ich auch bei Matthias bestätigt sehe, dass wir recht flexibel in unserer Ernährung sind. Produkte, an die wir besonders gut angepasst sind, halte ich zwar immer noch für das Opimum, aber gleichzeitig erlebe ich auch, dass die Umgebung nicht unerheblich für die Produktwahl ist. Bei mir liegt diverses tropisches Obst, bisher hatte ich nur wenig Interesse daran, merke aber nun eine wachsende Anziehung, möglicherweise als Ausgleich für die fehlende Sonne.

Nach mehr als 10h weckt mich am Freitag der sehr ausdauernd krähende Hahn. Es hatte sich schon nachts bei Toilettengängen angekündigt, der Kreislauf ist wieder ok und ich bin frisch und munter.

Mittags gibt es ca. 500g Cherimoyas, besonders die kleine Frucht war der Hit, schmelzend cremig. Es folgen erst ca. 200g getrocknete Banane Planta, bevor ich 5,5 dicke Feige-Apfel-Bananen esse. Es gab nach jedem Produkt eine Bauchsperre, ebenso beim abschließenden Stück Süßholz.

Abends knabbere ich 148 g vom Rücken ab, das meiste ist aber pures Fett, ebenso die 22g von der Rippe, bevor es 417 g Fleisch gibt.

Überraschend kommt unser Jüngster und bringt viele schöne Gedanken/Ideen mit.

So, nun ist es doch wieder ein halber Roman geworden, aber ich dokumentiere auf diese Art und Weise auch für mich meine Entwicklung und wer mag, kann gerne daran teilhaben. Vielleicht ist auch die eine oder andere Anregung dabei. Und ich bin selber erstaunt, wie spannend das rohe Leben selbst nach so vielen Jahren noch ist.

Ich verabschiede mich an dieser Stelle von allen Lesern für die nächsten Wochen, Beispiele, wie instinktive Ernährung insgesamt laufen kann, gibt es nun genug.
Ich werde in gut einer Wohe zu einer Präventionskur nach Bayern fahren und habe mir dort extra keine LAN-Leitung in das Zimmer bestellt. WLAN gibt es sowieso nicht. Einfach nur Zeit, Ruhe und Muße für mich.
Ich wünsche euch das Beste und viel Spaß bei allem, was ihr tut.

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