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Sabine

Rückkehr und Ankunft

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So, da bin ich wieder.

Hier könnt ihr nun lesen, was ich seit meinem letzten Eintrag erlebt habe:

Nach der abendlichen Fischmahlzeit war ich so gut drauf, dass ich bis weit in die Nacht hinein putzmunter war. Und so kam es, dass ich noch einen Traum von Koffer und passendem Trolley gekauft habe. Somit konnte ich meine stinkende Kunststoffkiste dort lassen.

Nach nur zwei Stunden Schlaf mussten wir aufstehen. Manfred fuhr uns zum Flughafen. Auf dem Weg dorthin trank ich viel Wasser.
Ich habe ihn noch viel zu Biologischem Obst und Gemüse befragt und werde nächstes Mal mit Nom den Markt dahingehend inspizieren. Sie selbst sei auch immer mit den Bauern dahingehend im Gespräch. Außerdem benannte er mir einige Supermärkte in etwas entfernteren Orten.
Manfred hatte mir vor ein paar Tagen schon zu meinem Erstaunen über Wildschweine auf Phuket berichtet. Norm könnte entsprechendes Fleisch besorgen. Sehr schön.
Ich befrage Manfred über Bangkok und was ich höre, reicht aus, um diese sicher interessante Stadt erst einmal von der Wunschliste zu streichen. Die 22 Mio. Einwohnern produzieren so viel Smog, dass man keine Sonne sehe. Na besten Dank, da gibt es mit Sicherheit schönere Ziele. Uns reicht schon der Berliner Dreck und Gestank.

Bei der Gepäckkontrolle ist in meinem Rucksack angeblich ein Messer gesichtet worden, so dass ich den Trolley öffnen musste. Es war eine gute Idee, denn die geschälten Mangos hatten trotz mehrfacher Verpackung stark gesuppt. Da für mich ohnehin alles nach Bananen roch, warf ich die Mangos kurzerhand weg. Das Messer wurde trotz intensiver Suche nicht gefunden. Aber der Zweck war erfüllt.

Anschließend gab es um 7:15 Uhr im Wartebereich einen Büschel Bananen. Eine Mütze Schlaf wäre besser gewesen, aber daran ist bis nachmittags nicht zu denken und ich brauche eine Stärkung.

Bei strahlendem Sonnenschein verlassen wir Phuket und fliegen nach Bangkok. Auffallend schön sind die farbigen Sitze in gelb, pink und lila.

Als wir in Bangkok ankommen, regnet es und es ist trüb.
In werfe ich einen letzten Blick auf tropisches Obst und frische Kokosnüsse, bevor ich um 11:15 Uhr den Rest des ersten Bananenbüschels und einen zweiten dazu esse.

Im Flugzeug nach Frankfurt gibt es nachmittags und abends die geraspelte Kokosnuss. Sie war schon fermentiert und vielleicht daher ultralecker.

So richtig schlafen kann ich nicht, also höre ich mir im Lufthansa-Bordprogramm mein Jahreshoroskop an. Nun weiß ich, dass mein März überaus aktiv sein wird, dass im August mir im Job alles zufliegt, was bin dahin schwerfällig läuft und dass sich meine Familie dahingehend verändert, dass ich sie nicht nur in der Herkunftsfamilie sehe, sondern auf der ganzen Welt meine Heimat finden werde.
Durchaus interessant...

Dann gucke ich noch einen tollen Film über ein Miststück von Frau.

Aber mir fehlt bereits jetzt die Sonne und ich vergieße trotz guter Vorsätze ein paar dicke Kullertränen. Mein Mann hat die rettende Idee, wie ich mir in Thailand eine Daseinsberechtigung erschaffen kann: "Du wirst Wellenzähler."

Ich berappel mich schnell, weil ich auch zu Hause ein Paradies habe und es kein Abschied auf Dauer ist . Aber es war gut, die Trauer rausgelassen zu haben, danach fühle ich mich wieder viel besser.
So ein Tagflug ist dennoch anstrengend, nächstes mal fliegen wir nachts.

In Frankfurt fällt mir sofort eines auf: die grauenhafte schwarze einheitliche Businessgarderobe. Keine Farbe... Passend zum Wetter.

In Berlin holt uns unser Schwiegersohn ab. Die Temperaturen sind etwas gewöhnungsbedürftig, aber aushaltbar. Wir sprudeln auf dem Rückweg unsere Begeisterung heraus, bevor ich auf dem Rücksitz herrlich einschlafe.

Zu Hause macht mein Mann den Kamin an und nach einer langen Dusche verschwinde ich im Bett.

Nach 5h bin ich munter und überlege, ob ich trotz des noch freien Tages ins Büro gehe. Ich bleibe dann aber doch im Bett liegen und gebe mich meinen Gedanken und Gefühlen und hin.

Als erstes fällt mir diese Dunkelheit auf, es fehlt das Licht. Dann bemerke ich diese absolute Stille draußen, kein Vogel, kein Tier, einfach nichts.

Und nun frage ich mich, wie der Mensch jemals auf die verrückte Idee kam, dieses Paradies in den Tropen zu verlassen. Hier ist ohne die Hilfe des Feuers (auch für uns zum Beispiel in Form von Wärme) momentan kaum ein Leben möglich. Dort hätte ich jederzeit wie Gott mich schuf sein können, warum leben wir hier, wenn wir kein Fell haben.

Warum plagen wir uns mit Ackerbau und Viehzucht, haben Ernteausfälle durch Nachtfrost und dennoch am Ende im günstigsten Fall für 6 Monate Nahrung, während in den Tropen ganzjährig der Tisch überaus reich gedeckt ist.

Und um wie vieles besser sehen die meisten Menschen dort aus. Sie sind in ständigem Kontakt zu viel mehr natürlichen Produkten als die Europäer. Es war eine Freude zu sehen, mit welcher Selbstverständlichkeit dort all die Produkte gekauft und gegessen werden, die wir uns mühsam bestellen müssen. Und wo ich tagelang im Voraus wissen muss, was mein Körper braucht.

Die Organe werden dort auch weitaus weniger belastet als bei uns, gerade bei kaltem Wetter. In der Wärme isst man eher so, dass man keine zusätzliche Hitze produziert, während hier die Kalorienzufuhr für den Temperaturausgleich notwendig erscheint.

Wenn es in ein paar Tagen Frost gibt, sind auch die momentan noch vorhandenen Kräuter hinüber. Sehr dankbar sind die Hagebutten, die uns über Monate ernähren können. Aber kämen nun viele Leute auf diese Idee, wären die Ressourcen schnell verbraucht.

Bleibt noch das Wildfleisch. Es ist recht eiweißreich, wäre so eine Nahrung über einen längeren Zeitraum nicht eine große Belastung für die Organe, wenn unserem Körper gut und gerne zur Energiegewinnung Kohlenhydrate ausreichen?

Und was ist mit den Meerestieren? In den warmen Ländern stellen Fische mit Sicherheit eine gute eiweißreiche Nahrungsquelle mit natürlichem Salzgehalt dar. In unseren Breiten haben wir nur gezüchtete Süßwasserfische zur Verfügung. Alternativ gibt es mehr oder weniger gute Qualität im Handel, viele von uns können ein Lied davon singen.
Übrigens, die hier angebotenen Filets habe ich in Thailand nirgendwo gesehen. Da gibt es den Fisch kompakt mit allen Innereien oder aber im Querformat, also mit Haut und Gräten.

Und ich fühle wie nie zuvor, dass die Tropenfrüchte in die Tropen gehören. Aber wo gehöre ich bin? Wo es mir doch so gut damit ging?

Mit diesen Überlegungen stehe ich schließlich auf und mache mich an die Arbeit: Koffer auspacken und Wäsche waschen. Und ich sichte den Briefstapel. Ach ja, da sind sie wieder, die ganzen Werbeversprechungen, Kreditangebote und sonstigen Anfragen etc. All dieser Kram, ohne den wir so gut leben konnten…

Danach gucke ich mir den Inhalt meines Kühlschranks an. Zwischenzeitlich hatte unsere Tochter geschrieben, dass wir versehentlich überall den Strom abgestellt hatten und nun der Kühlschrank innerlich stark verschimmelt sei. Später relativierte sie es, dass dies nur den Kühlschrank meines Mannes gelte. Meiner steht im Hauswirtschaftsraum und dort musste wegen der Heizung auch der Strom an bleiben.
Was der Zufall also nicht wollte, holte ich umgehend nach und entsorgte unter den Eindrücken eines lebendigen Frischemarktes das ganze alte, inzwischen leicht grün angelaufene Fleisch. Vitalität = Frische = Leben. Auf diesen ganzen Gammelkram steht mir derzeit nicht der Sinn.

Gegen Mittag rufe ich im Wildhof an und erfahre zu meiner großen Freude, dass es frisches Fleisch vom Reh, Hirsch und Wildschwein gibt. Perfekt. Ich bestelle zwei Rehköpfe und Hundeknochen. Die Rehrippchen sind leider gerade zu Gulasch verarbeitet worden. Bei der Frage: "Was wollten Sie denn damit machen" kam ich etwas ins Stottern, na was wohl? Aber der Inhaber hilft mir schnell weiter: "Einen Rollbraten?" Kann man aus Rippen Rollbraten machen? Aber ich bejahe und er wollte gucken, ob er von Hirsch noch eine komplette Seite hat.

Zu essen gab es dann etwas Palmenherz, was so gut sperrt wie nie zuvor, obwohl es vom selben Einkauf stammt. Danach gibt es 1 1/3 mitgebrachte Baby-Ananas. Aber so richtig toll ist dann die getrocknete Tamarinde, während die frische viel zu sauer schmeckt. Ich esse etwa 200 g der süßen, die dann alle ist und ich mit einer ähnlichen Menge der sauren die Mahlzeit sehr zufrieden beende.

Den Kamin empfinden wir als viel zu warm und auch unnatürlich durch seine einseitige Wärmeabstrahlung, zudem die ganze Luft als sehr trocken.

Nachmittags fahren wir zum Wildhof. Dort frage ich mich, warum das Universum in dem Moment Sturm und Regengüsse schickt, soll ich vielleicht kein Fleisch kaufen? Es gibt diesmal auch nur sehr wenige Hundeknochen, die für mich interessant sind, aber zwei ausgelöste Rehrücken sind auf jeden Fall schön. Und zwei riesige Rehköpfe. Vom Hirsch und Reh gibt es nur Filets, so dass ich mich für einen fast 4 kg schweren Rücken vom Wildschwein mit einer dicken Speckschicht entscheide. Die Verkäuferin riet mir sehr zu, weil es bald nur noch Frischling gebe.

Anschließend fahren wir zur Hundepension, wo unser Leo seit Jahren sehr zufrieden Urlaub macht. Er schafft auch die Anstrengungen eines Ostseeurlaubs nicht mehr und hat oftmals das Glück, zeitgleich mit seiner Herzdame dort zu sein. Dann wird er immer 10 Jahre jünger. Diesmal war sie auch wieder ein paar Tage da. Auf dem Weg zum Auto will er noch ein Huhn des Besitzers fressen...

Abends fahre ich ins Fitnesscenter, gehe in die Sauna und besuche den letzten Enspannungskurs. Den Termin brauchte ich noch, um die Rückerstattung der Krankenkasse zu erhalten. Es gibt ja Schlimmeres, als für Entspannung Geld zu bekommen. Außerdem komme ich so allmählich wieder in der Realität an.

Momentan hinterfrage ich einiges bisher übliche, z. B. inwieweit die Sauna eine natürliche und sinnvolle Angelegenheit ist. In den warmen Gefilden kommt man in den Genuss der Natursauna. Ist unsere praktizierte Abhärtung nicht auch wieder eine Form der versuchten Anpassung an einen Lebensraum, wo über mehrere Wochen und Monate kaum Leben möglich ist?

Essen wollte ich nichts mehr, zwei Sorten Tamarinde waren keine gute Idee, irgendwie fühle ich mich überlastet.

Am Samstag wache ich nach 7h Schlaf hungrig auf. Die Ananas riecht sehr verführerisch. Es ist zwar erst 6 Uhr, aber meine innere Uhr läuft wohl noch nach thailändischer Zeit und dort ist es 12 Uhr, Mittagszeit also.

Es gibt 2 1/3 mitgebrachte Baby-Ananas. Danach folgen 5 rote Weihnachtsäpfel, die einfach traumhaft sind. Gut, dass der Kühlschrank angeschaltet war. Endlich wieder definitiv chemiefreies Obst.

Auch wenn ihr vielleicht lachen werdet, aber diese Äpfel stehen auf meinem Merkzettel für unsere nächste Thailand-Reise. Auch dort rochen die Äpfel nämlich sehr gut, waren aber teuer und zudem chemisch behandelt. Und so kann ich dann ganz entspannt nach wirklich guten Produkten gucken und stürze mich nicht gleich wieder auf die Chemiebomben.

Aber auch danach war ich noch nicht zufrieden und habe exakt 400 g Pollen gegessen, bevor er sperrte und das Glas leer war. Der Pollen stammte von einem örtlichen Imker. Trotz der vermutlich eher zweifelhaften Qualität geht es mir danach um vieles besser als nach Bienenbrot, obwohl das das natürlichere Produkt ist.

Auffallend für mich war, dass ich in den letzten beiden Tagen lange nicht verzehrte Nahrungsmittel gegessen habe, die ich zu Beginn der Rohkost sehr häufig mochte. Möglicherweise hängt es mit dem chemisch behandelten Obst zusammen. Aber ich hatte in den letzten Tagen dort wiederholt das Gefühl, dass irgendein Konzentrat fehlte. Daher stehen nun auch die Pollen mit auf dem Merkzettel, zumal sie durch den hohen Schwefelgehalt sehr gut entgiftend wirken.Tamarinde kaufe ich mir vor Ort.

Nach einem Friseurbesuch fuhr ich zum Bioladen. Dort taten es mir die Karotten, sehr erdige Süßkartoffeln, Fenchel, Physalis, Granatäpfel und ein Bund Dill an.

In einem kleinen asiatischen Obstladen traute ich kaum meinen Augen, als ich dort erstmals große Bunde Koriander sah. Ich fühlte mich tief beglückt. Das Paradies ist wirklich überall. Ich wollte die ganze Welt umarmen, um mein Glück zu teilen.

Ein anschöießender Blick in die Obstregale des örtlichen Supermarktes zeigte mir nur Sondermüll an. Was für ein Irrsinn, diesen Murks per Schiff herzubefördern, um ihn künstlich nachreifen zu lassen. Die Ananas, so grün und mit deutlichen Spuren einer thermischen und chemischen Behandlung, ein Jammer. Dann ist ja frisches regionales Gemüse noch deutlich besser.

Aber auch im Bioladen hat mich das Obst nicht wirklich fasziniert. Die Bananen sehen so aus, wie sie alt sind, die Ananas aus Togo grasgrün, die Mangos steinhart, die Kokosnüsse uralt. Wo soll in solchen Produkten Leben sein?

Den Nachmittag vertrödeln wir erzählend mit unserem Sohn. Essen möchte ich nichts mehr, irgendwie ist es mir innerfamiliär zu unruhig und bald darauf werde ich todmüde. So gehe ich mit den Hühnern ins Bett.

Nachts um 2 Uhr bin ich munter und ausgeschlafen, nach thailändischer Zeit wäre es ideal für einen aktiven Tag. Ich bleibe noch etwas im Bett und sinniere vor mich hin.

Um 8 Uhr gehe ich bei 4 Grad und Wind spazieren, die Temperaturen stören mich keineswegs. Das erstaunt mich selbst, aber ich fühle mich bis auf die Knochen sehr gut durchgewärmt. Schnell komme ich auf die Idee, Hagebutten zu pflücken. Also hole ich zwei große Gläser. Auf die ganze stachlige Pflückarbeit habe ich nur wenig Lust und das Universum hat eine gute Hilfe geleistet. Durch den Sturm liegt die ganze reife Pracht zu meinen Füßen. Das Leben meint es wirklich gut mit mir. Es hatte zudem geregnet, also waren sie auch gewaschen. Und ein paar deutsche Erdkeime können ja nicht schaden.

Danach laufe ich zu den Sträuchern mit den Schlehen, die aber schon alle weg sind. Stattdessen gibt es um 9:30 Uhr es eine wunderbare Mahlzeit mit Hagebutten frisch vom Strauch. Ich rufe mehrmals Verwunderung hervor. Pech für die Ahnungslosen. Danach finde ich zu meiner Überraschung ein paar frische Felsenbirnen. Die Sperre kommt durch klamme Finger, ich mag nichts mehr pflücken.

Zu Hause gibt es um 10:30 Uhr dann 2/3 eines traumhaften Granatapfels. Es folgen 3 kleine und 2 große rote Weihnachtsäpfel sowie ein Paar Physalis. Wieder habe ich das Gefühl, lange nicht so gut gespeist zu haben.

Ich bemerke aber eine deutliche Sehnsucht nach einem konzentrierten Abschluss und probiere kleine Mengen getrocknete Jojube, Ceylonbrot, bevor ich bei den Cashews mein Glück finde. Nach etwa 170 g schlägt der Geschmack um.

Ich beschließe, bei Orkos zu bestellen, auch wenn mein Gefühl nach wie vor nein sagt und maximal Datteln, Feigen und Honig möchte. Der Verstand widerspricht dem jedoch und bestellt verschiedene frische Obstsorten und nur wenig Trockenzeug.

Nachmittags bin ich sehr elanig, viel draußen und im Garten aktiv, sammel Äste vom Sturm auf und entferne abgestorbene Kräuter aus den Beeten. Ich war im Sommer und dazu gehört Gartenarbeit.

Am frühen Abend gibt es etwa 200 g Aprikosenmandeln.

Ich bin wieder sehr zeitig im Bett und abermals um 2 Uhr munter. Heute ist der erste Arbeitstag. Also packe ich mich warm ein, laufe um 5:30 Uhr los und bin 90 Minuten später im Büro. Dort ist die Heizung ausgefallen. Wohl dem, der eine Thermohose trägt und vom Laufen schön warm ist. Sehr bald beginnt eine längere Dienstberatung an einem warmen Ort. Währenddessen lutsche ich eine große Menge Kassia und denke mir, jetzt geht das wieder los: dieses ganze Getue, wie wichtig mir doch die Arbeit ist, was unbedingt noch zu erledigen, zu verbessern, zu optimieren ist… Na sicher, überwiegend habe ich auch Freude daran bzw. mir einen Rahmen gebastelt, der Freude ermöglicht, aber ich könnte mit Sicherheit auch in naturnahen Tätigkeiten meine Zufriedenheit finden.

Nach 6h laufe ich erneut 90 Minuten nach Hause, bin hundemüde. Nach einer Dusche bin ich aber munter genug, um mich einem der beiden Rehköpfe zu widmen.
Es gibt etwa 1/3 des sehr großen Gehirns, etwas Fleisch, diverse Drüsen und Fettsegmente sowie ein Auge. So ein Kopf ist eine absolute Leckerei, weil sehr vielfältig. Er war aber viel zu groß und zu schwer, um gewogen werden zu können.

Danach erledige ich noch ein paar Dinge am PC, bevor um 18:30 Uhr endgültig der Sandmann ruft.
Erneut werde ich um 2 Uhr wach. Meinem Mann geht es ähnlich wie mir. Man sagt ja, pro Stunde Zeitumstellung benötige man 1 Tag. Insofern können wir also gelassen bleiben.

Also erledige ich nachts ein paar Hausarbeiten, bevor ich um 6:15 Uhr ins Büro radel. Dort erwartet mich ein Zettel mit der Nachricht, dass ich um 16 Uhr noch einen Termin habe. Ach herrjeh, da schlafe ich doch schon wieder fast …

Um 7:15 Uhr lutsche ich eine große Menge Salz, 2h später vertilge ich eine Restmenge an getrockneten Stevia-Blättern. Um 10 Uhr folgen dem 6 Strauchtomaten aus dem Bioladen und ein kleines Döschen mit getrockneten Goji-Beeren. Es war vor vielen Jahren mal das Weihnachtsgeschenk von Orkos, hat all die Jahre unbeachtet im Schrank gestanden, aber heute nun waren sie überaus guuut.

Mittags zog es mich in den lokalen Einzelhandel. Ich kaufte 3 Packungen Physalis und eine Baby-Ananas. Bei einem stolzen Preis von 2,99€ vermutete ich Flugware. Aber sie war uralt, schon mit braunen Stellen und blass. Die Physalis waren lecker, aber ganz koscher sind die nicht. Vor ein paar Jahren habe ich sie mal im Zimmer neben welche von Orkos gestellt. Letzter gammelten nach einiger Zeit, die aus dem Handel blieben ewig frisch.

Dennoch bekam ich von dieser Obstmahlzeit einen Elanschub, hatte ein erfreuliches Gespräch mit einer Kollegin und beim 16 Uhr-Termin auch noch die Augen offen. 18:30 Uhr war dann nach fast 12h Feierabend. Ich war so müde, dass ich am liebsten ein tuktuk bestellt hätte….

Aber es war sehr schön mild und trocken dazu, also habe ich mich aufs Rad geschwungen. Ich schwor mir aber auf dem nicht enden wollenden Rückweg, morgen ganz faul das Auto zu nehmen.

Nach einer langen Dusche duftete abermals das Reh sehr lecker. Es war zwar schon 19:30 Uhr, aber mein Mann musste lange arbeiten, und so war es ideal für eine ungestörte Rehkopfmahlzeit. Er findet die Rehköpfe überaus abstoßend und ich kann das durchaus nachvollziehen. Nur er weiß ja nicht, was ihm da entgeht… Andererseits wurden auch die besonders fleischigen Teile des Kopfes abgeschnitten und in Gulasch verwandelt…

Ich ließ mir 3,5h Zeit, um den Rehkopf und den ausgelösten Rehrücken insgesamt zu erkunden. Das ist wirklich eine spannende Angelegenheit. Ich war hochkonzentriert. Es gibt am Kopf so viele verschiedene Regionen mit Drüsen, Fett und Fleisch, selbst unter der Kopfhaut und den Ohren. Eine ganz besondere Region befindet sich um die Augen. Und das Gehirn versteckt sich in zahlreichen Windungen des Kopfes. Ich habe es sehr genussvoll nach und nach mit den Fingern und einem Löffelstiel herausgeholt.

Danach wollte ich noch den dicken Strang Rückenmark aus dem Rehrücken. Dabei leistete mir das Austernmesser gute Hilfe. Ich schob es an mehreren Stellen in die Zwischenwirbelkörper und erledigte den Rest mit Muskelkraft.

Da dieses über 1m lange Stück nicht in den Kühlschrank gepasst hatte, war das Fleisch schon stark angetrocknet. Davon gab es abschließend noch einiges, bis mir urplötzlich alles aus den Händen fiel und ich wunderbar satt und zufrieden war. Die Menge lässt sich durch die vielen Einzelteile der Mahlzeit nur schwer schätzen, aber lag gefühlt etwa beim Dreifachen des Vortages, so um die 900g.

Nach der anschließenden Aufräumaktion bin herrlich entspannt eingeschlafen und um 7 Uhr endlich mal wieder schön ausgeschlafen aufgewacht und voller Tatendrang in den Tag gestartet. Die Vögel zwitscherten, die Sonne war bereits zu vermuten, ein schöner Tag begann. Also habe ich doch wieder das Rad genommen. Es fühlte sich wie das beginnende Frühjahr an.

Die erste Mahlzeit gab es dann um 10 Uhr. Sie bestand aus den Blättern der beiden Korianderbunde, einem Bund Dill sowie zahlreichen Hagebutten. Im 720 ml Glas waren noch etwa 2 cm übrig. Ich fühlte mich nach dieser Mahlzeit sehr leicht und gut und mal wieder von der Natur sehr reich beschenkt.

Nachmittags stand wie in alten Zeiten ein Orkospaket vor der Tür. Besonders angenehm duftete die Jackfrucht. Es war ein Stück einer kleinen Frucht. Ich nahm den Geruch aber auch zwiespältig wahr. Er gehörte in meine Urlaubswelt, in die Sonne. Fast möchte ich die Jackfrucht fragen: "Was machst du denn hier?"

Um 16 Uhr gibt es dann davon drei angeschnittene Segmente. Sie sind knackig und frisch, schmecken sehr gut. Dann kommt die Bauchsperre.
Als nächstes probiere ich eine angedrückte Grenadille. Diese Frucht hatte ich seit Jahren nicht mehr. Ich habe sie bestellt, weil im Rohkostwiki öfter davon zu lesen war. Ich schäle sie und halte einen weichen, weißen Ball in den Händen. Der Genuss ist umwerfend gut. Der letzte Bissen wird im Mund immer mehr, also habe ich ihn ausgespuckt.
Mir wird klar, dass der Zug deutlich in Richtung Süßes fährt, aber ich will mich keinesfalls mit Zucker überlasten. Also esse ich erst noch 4 Weihnachtsäpfel.
Danach sind dann die Datteln dran. Die Sukkari soft riechen völlig uninteressant, aber die Deglet soft duften sehr angenehm, leicht alkoholisch. Nach der 3. oder 4. Dattel durchströmt mich ein tiefes Glücksgefühl, als würden alle meine Zellen in die Hände klatschen und rufen: "Endlich mal wieder Datteln." Bei der 30. kommt eine spontane Bauchsperre. Die Waage zeigt 291g verzehrte Menge an.

Der anschließende abendliche Termin in Berlin verläuft erfreulich angenehm, so dass ich um 20:30 Uhr zufrieden im Bett liege.

Am Donnerstag wache ich leider wieder nach thailändischer Zeit, bei uns in der Nacht, auf. Heute habe ich erneut in Berlin zu tun. Also radel ich um 7 Uhr in den nächsten Ort mit S-Bahnanschluss.

Mittags ist das Treffen beendet, vor mir liegt ein freier Nachmittag und ich überlege, ob ich noch in den Asialaden oder auf den Markt gehe, wo es auch frisches Salzwiesenlamm gibt. Aber es regnet und eigentlich ist im Asialaden nichts zu erwarten, ich habe noch Wildschwein, also fahre ich nach Hause.
Zudem habe ich ab mittags das Gefühl, dass mich irgendein Virus angesprungen ist, mir ist total kalt. Auch mein Mann hat mir mitgeteilt, dass er krank und zu Hause sei. Also genießen wir einen entspannten gemeinsamen Nachurlaubstag am warmen Kamin.

Unterwegs habe ich nicht essen wollen, also gibt es bei mir nun Futter: 125 g traumhaften Rukkola, 2 1/2 knackige Fenchelknollen, 5 große rote Weihnachtsäpfel und 54 Datteln Sukkari, was einer Menge von 496 g entspricht.Der Geschmack wird eklig süß.

Mir geht es anschließend wieder richtig gut, der Virus hat sich verzogen, meinem Mann hingegen geht es so schlecht wie lange nicht mehr.

Dennoch werde ich so lange wie noch möglich bei regionalen Landesfrüchten wie Äpfeln, Hagebutten, frischen Kräutern und Gemüse bleiben. Damit geht es mir derzeit sehr gut. Im Kühlschrank liegen auch noch ein paar alte Mispeln. Außerdem werde ich wieder zu meiner früheren Regel zurückkehren und Süßes nur mono essen. Auch die Kombination aus Gemüse und Obst werde ich zukünftig zu vermeiden versuchen.

Ich finde meine derzeitigen Erfahrungen recht interessant und wenn ich zu dem Ergebnis kommen sollte, Tropisches in den Tropen und überwiegend Heimisches zu Hause, dann soll es mir nur Recht sein.

Ich schlafe 10 h wie ein Murmeltier, es ist, als wenn der Körper endlich mal wieder alles hatte, was er zur Ruhe brauchte: Kohlenhydrate und Eiweiß durch die üppige Rehmahlzeit vor zwei Tagen.

Da auch gestern das Reh sehr lecker gerochen hat, ich aber meinem Mann Gesellschaft leisten, ihm den Anblick einer Rehkopf essenden Frau und mir Diskussionen über Ethik und Moral einer solchen Speise ersparen wollte, habe ich mich ebenso gerne dem Süßen gewidmet. Heute morgen aber war mir klar: Rücksicht in Ehren, aber jetzt ist mal wieder Reh dran. Es duftete schon morgens. Also habe ich den zweiten Rehkopf aus dem Kühlschrank genommen, so dass er nachmittags angenehm temperiert ist. Als nächstes habe ich meinen Wunsch nach 2 Rehköpfen, 2 Haxen und einem Rippenbogen vom Reh auf dem Anrufbeantworter des Wildhofs hinterlassen. Leider erfahre ich bei einem späteren Anruf, dass nichts verfügbar sei. So ist es halt in der Natur. Vermutlich brauche ich heute sowieso nichts und heute ist eine Jagd und somit werde ich auf morgen vertröstet.

Mein Mittagessen findet am See statt und besteht aus vier fantastischen roten Weihnachtsäpfeln. Jeder schmeckt auf eine andere Weise lieblich. Mir scheint die Sonne ins Gesicht und es fühlt sich beinahe wie ein Vorbote des Frühlings an.

Anschließend kaufe ich je zwei Bunde Koriander, Dill und Petersilie. Im Bioladen finde ich Fenchel, Kohlrabi, Rukkola, Lauch, Mandarinen und Bitterorangen als die besten Produkte für mich heraus. Der Einkauf hat mit den Kräutern gut 25€ gekostet, das Orkospaket das zehnfache, also fast einen halben Flug in die Sonne. Da genieße ich lieber regelmäßig das faszinierende tropische Gesamtpaket...

Danach will ich meinen Wasserkasten umtauschen. Es gibt aber im Getränkemarkt nur noch einen unvollständigen. Drei Flaschen fehlen. Klarer Hinweis des Universums, guck dich mal wieder nach Alternativen um. Ich entscheide mich für Gerolsteiner und zwei Wassersorten in grünen Flaschen ohne Sprudel: Rhönquelle und Bad Liebenwerda.

Nach einer Hunderunde, bei der ich ein paar Kiefernnadeln kaue, kommt der zweite Rehkopf an die Reihe.
Aber was sehe ich da in seinem Mund? Maiskörner!!! Von wegen, Rehe gehen nicht in Maisfelder. Ihn hat es also beim Fressen erwischt. Sehr viel kann er wohl nicht mehr gefunden haben…
Das Fleisch ist jedenfalls durch die Reifung schon recht würzig, einfach genial. Und das Gehirn ist schlicht ein Traum. Ich habe früher nie Pudding gemocht, vielleicht ist das hier das Original?
Und ich denke mir, wie viele Menschen essen gehen, um Genuss zu erleben und wie einfach er doch zu bekommen ist.
Anschließend gibt es von einem kleinen ausgelösten Rehrücken das Rückenmark, an Blätterteig erinnernde Fettstränge und etwas angetrocknetes Fleisch, insgesamt so um die 600g.

Soweit erst einmal wieder. Meine Einträge werden nun wieder sehr viel kürzere Formen annehmen. Der Alltag ist ja nicht sooo ereignisreich wie der erste Tropenurlaub. Fotos gibt es irgendwann, muss ich selber erst durchgucken. Eile mit Weile...

Ich kann mich nur am PC im Forum anmelden, so dass ich mich vorläufig eher wochenweise melden werde. Ich tippe zwar fast täglich im Handy mein Essen ein, aber manchmal habe ich auch tagelang eine Schreibsperre. Generell habe ich abends wenig Motivation, den PC hochzufahren. Also wenn ich Lust und Laune habe, schreibe ich hier und wenn nicht, dann eben nicht. So wird es nie langweilig.

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Kommentare

  1. Avatar von Ralph
    Eine Anmerkung zu den roten Weihnachtsäpfeln: Bei uns im lokalen Fruchthaus gab es auch welche, aber da wurden wir informiert, dass die extra gewachst und poliert würden ...

    Ich habe mir da auch mal zwei gekauft, aber die liegen immer noch als Deko in der Küche.

    Alles Liebe,
    Ralph
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  2. Avatar von Sabine
    Nee, meine Weihnachtsäpfel sind weder gewachst noch poliert. Sie stammen aus Schwiegermutters Garten, haben nur Sonne und Ostseeluft auf der Schale.

    Leider ist die Zeit jetzt vorbei, vom Vitamingehalt eh nur noch dürftig aufgrund der langen Lagerung, daher nehme ich nun auch gerne die Hagebutten.

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    Danke Ralph bedankte(n) sich für diesen Beitrag


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